Sofagedanken 1.2: Von der Peri- über die Meno- zur Postmenopause
Es lässt mich gerade nicht mehr los, das Thema.
Kürzlich hatten wir Besuch, zwei junge Frauen, beide 42 Jahre alt. Die eine erklärte lachend, sie würde jetzt Progesteron nehmen, ihre Gynäkologin habe ihr das empfohlen. Das passt für sie, das Thema ist für sie erledigt. Die andere machte ein nachdenkliches Gesicht und erklärte, man würde so viele unterschiedliche Informationen bekommen, man wisse schon gar nicht mehr, wem man glauben solle oder was befolgen. Sie meinte vor allem in Bezug auf den Gebrauch von bioidentischen Hormonen.
Meine Antwort, dass die Wechseljahre sehr individuell erlebt werden, hat ihr nicht unbedingt geholfen. Es gibt kein allgemeines Rezept und so erzählte ich ihr von mir. Auch von meiner Erfahrung mit den bioidentischen Hormonen. Mit 42 sind wir unseres Körpers und seinen Reaktionen bewusst. Wir wissen, was wir wollen, wenn es um das Thema Medikamente und Arztbesuche geht. Ich ermunterte sie also, auf sich zu vertrauen, sich bei verschiedenen Stellen zu informieren und jene Dinge zu befolgen, die zu ihr passen. Austausch mit Freundinnen, die im Moment in der gleichen Phase sind und diese bewusst erleben oder mit Frauen sprechen, die bereits Erfahrung gemacht haben, diese Phase hinter sich gelassen, die Menopause hinter sich haben und in der Postmenopause sind. Wie ich, zum Beispiel. Wir helfen gerne.
Aber noch einmal zurück zu meiner Perimenopause: Nach der Panik kam die Hitze. Irgendwie fand ich es aufregend, denn wenn mich die Panikattacken nicht auf die Idee gebracht hatten, dass der Wechsel bevorstand, so schienen die Hitzewallungen definitiv deren Vorboten zu sein. Denn schliesslich sind Hitzewallungen DER Beweis, dass dem so ist. So dachte ich damals. Oh, wie wenig wusste ich. Bei vielen Frauen geschieht die Hitze im Gesicht. Es wird vielleicht rot und ein kleiner Schweissfilm bildet sich an den bekannten Stellen: Stirn und Oberlippe (ich habe das jetzt sehr freundlich formuliert, gesehen habe ich schon heftigeres).
Bei mir war das nicht so. Ich spürte die Hitze am Anfang zuerst im Brustbereich, die sich nach oben auszudehnen schien. Ich breitete jedes Mal instinktiv die Arme aus, weil ich das dadurch verursachte Engegefühl fast nicht aushielt. Und mit dieser Enge kam wieder die Panik. Ein sich immer wiederholender Kreislauf, aus dem es kein Entrinnen zu geben schien.
Meine Wallungen verhielten sich unterschiedlich. Es gab Zeiten, da hatte ich fast keine und in kurzen, sehr kurzen Momenten glaubte ich, es wäre alles vorbei. Und dann, wie um mir beweisen zu wollen, wie wenig ich wusste, schlug die Hitze wieder zu, plötzlich, vermehrt auch nachts. Und wenn sie wiederkehrte, die Hitze, hatte sie immer etwas Neues in Petto. Sie fing z.B. neu bei den Beinen an, steigerte sich nach oben, wie eine Welle, um sich in meinem Brustbereich zu entladen. Es war heftig, auch nachts. Ich nannte sie „meine Tsunamis“, nicht liebevoll, nein, erschlagen, deprimiert, angsterfüllt.
Ich fing an, schlecht zu schlafen. Ein Thema, das mich sehr beschäftigte. Und zu diesen beiden Übeln, für die ich eine Lösung finden wollte, fing Nebel an, meinen, wie ich meine, relativ beweglichen Geist, zu umhüllen. Er machte sich einen Spass daraus, einmal Gewusstes vergessen zu lassen. Oder überhaupt, Dinge zu vergessen, die ich erledigen sollte, für meine Arbeit, in meinem Beruf. Ich war wirklich entsetzt, als ich merkte, dass mich der Brainfog fest im Griff hatte.
Als nicht nur die nächtliche Hitze unerträglich wurde und ich mich dadurch mit dem Thema Schlaf anfing intensiv auseinanderzusetzen, griff ich eines Tages zu meinem Laptop und schrieb das erste Mal „Wechseljahre“ in die Suchleiste; das war 2021 und ich stand kurz vor meinem 56. Geburtstag. Und sehr wahrscheinlich auch bereits in der Postmenopause. Ich weiss es nicht mehr. Weil, irgendwann hatte ich aufgehört, meinen Zyklus zu notieren, was sich im Nachhinein als Fehler erwies. Man weiss dann einfach nicht mehr, wann genau die Menopause war und beim Gynäkologen auf die Frage nach eben diesem Datum ein Runzeln die Stirn bewegt. War bei mir auf jeden Fall so.
Und nachdem der Computer ganz viel Informationen ausgespuckt hatte und ich Seite für Seite gelesen, studiert und angeschaut hatte, ging es steil bergauf mit meinem Wissen über die Wechseljahre. Die Aha´s und Ohä´s erfüllten mein Denken. Ich fand eine tolle Community, merkte, ich bin nicht allein und fand für mich Lösungen. Und da ich ein sehr neugieriger Mensch bin und gerne diverse Lösungsansätze gleichzeitig verfolge (und meinem Mann mit dem W-Wort am Anfang ziemlich auf den Wecker ging, weil es unsere Unterhaltung dominierte, wie jedes neue Thema, das mich erfüllt), konnte ich immer besser mit meinen Symptomen umgehen. Und diese Lösungsansätze begleiten mich heute noch, 2026, definitiv in der Postmenopause.
Hier eine kleine Auswahl dieser Ansätze - und es kommen immer Neue dazu:
Nachdem ich 2020 von einem Hund gebissen wurde und sich dadurch die Panikattacken noch einmal verschlimmerten, weil jetzt waren sie nicht nur hormongesteuert, begann ich eine Therapie und dann noch eine. Ich machte zwei Therapien gleichzeitig. Und weil ich Therapie eine tolle Erfindung finde, lief es gut und ich nahm vieles mit für meine Zukunft, also heute. Ich habe keine Attacken mehr. Manchmal einfach nur Angst und das Thema Sicherheit ist gross geworden. Aber ich weiss, was ich machen muss, wenn ich in diesen Strudel komme, ich beruhige z.B. meinen Vagusnerv – man findet mich also ab und an z.B. auch summend vor.
Mit meinem Nachtschweiss und den täglichen, wenn nicht stündlichen Hitzewallungen habe ich mich pflanzentechnisch auseinandergesetzt. Ich fand eine Firma, die sich ganz dem Thema Wechseljahre widmet, gegründet von zwei Frauen in Berlin. Wunderbar. Ich besorgte mir alles, was sinnbildlich in deren Regalen stand oder lag – viele Informationen und Produkte zur Einnahme und siehe da, der Nachtschweiss blieb fast ganz weg und auch die Tsunamis nahmen ab.
Den Brainfog trieb ich u.a. mit Sprachenlernen und Ginko-Tinkturen in die Enge – ich vertrieb ihn nicht ganz, aber immerhin wurde die Leere in meinem Gehirn und die Pausen in den Sätzen weniger und ich begann wieder fliessend erzählen.
Der schlechte Schlaf hat mich noch etwas länger Wach gehalten und machte mich fast verrückt. Aber auch da, ich suchte Lösungen und fand sie: heute schlafe ich wieder gut. Ich habe mich mit autogenem Training befasst, mich in den Schlaf meditiert, Musik gehört und natürlich auch Tee´s und Pülverchen ausprobiert. Ich habe Atemübungen gelernt, die mich auch bei vielen anderen Themen begleiten, mich mit dem Herzen auseinandergesetzt und eine Methode gefunden, mein Herz, Gehirn und den Atem in Einklang zu bringen, auf das ich dann wohlig einschlafe. Ich schreibe meine Gedanken auf und lege sie für die Nacht weg, es hat alles Zeit bis morgen. Ich mache abends sanftes Yoga, deren Übungen helfen, gut einzuschlafen. Es gibt so viele Möglichkeiten und ich bin dankbar dafür.
Achja, und ich mache regelmässig Sport. Morgens … und es macht mir richtig Spass.
Seit 2021 hat sich bei mir vieles verändert. Und ich bin sehr froh darüber. Alles was ich in dieser Zeit gelernt habe (und ich werde bestimmt noch mehr dazulernen), hilft mir, Lösungen zu finden, sollte sich mein Körper wieder Neues für mich ausdenken. Wird er, bestimmt (z.B. nicht mehr abnehmen können).
Die Wechseljahre sind umfangreich, mühsam, herrlich und kompliziert. Alles wird gut, aber nicht von allein. Schauen wir also hin, immer und immer wieder. Auch gerne gemeinsam.
Eure Claudia