Sofagedanken 1.1: Der Auftakt

Ich sitze gerade auf dem Sofa und merke, dass heute ein Thema meine Gedanken besetzt, das mich schon länger beschäftigt … und mit mir die halbe Welt (direkt und indirekt). Die Wechseljahre. 

Ich weiss, das Thema ist derzeit allgegenwärtig. Und das ist gut so. Und ich finde das wichtig. In der Schweiz betrifft dieser Wechsel zurzeit - von Peri- bis zur Postmenopause - rund 600.000 Frauen. Viele davon sind von den einen oder anderen Symptomen betroffen. Heftig, weniger heftig bis gar nicht. Nehmen wir noch die Zahlen von Deutschland hinzu: 9 Millionen Frauen sind zurzeit in den Wechseljahren!

Nachdem sich mein Erstaunen über diese Zahl etwas gelegt hatte, dachte ich über meine Anfänge der Wechseljahre nach. Ich hatte keine Ahnung, dass es a) eine Zeit vor der Menopause gibt und b), dass es für diese Zeit-Vor-Der-Menopause einen speziellen Fachausdruck gibt – die Perimenopause

Alles, was mit den Wechseljahren zusammenhing, war mir damals, in eben dieser Perimenopause, komplett fremd. Und es geht nicht nur mir so. Statistisch gesehen kommen wir Frauen zwischen dem 40. bis ca. 45. Lebensjahr in die Perimenopause (Ausnahmen gibt es immer) und somit in die spürbaren Wechseljahre. Der Zyklus, der im Normalfall mit dem Freisetzen von Östrogen und Progesteron startet, verändert sich und erste Symptome machen sich bemerkbar. Der Progesteronwert beginnt zuerst zu sinken, während das Östrogen noch stabil bleibt. Im weiteren Verlauf der Perimenopause beginnt aber auch der Östrogenwert zu schwanken und sinkt gegen Ende der Phase stark ab. In der Fachliteratur findet man genaue Erklärungen und die grafischen Darstellungen der mitverantwortlichen Hormone während unseres Zyklus gleichen eher einer Achterbahn, ein munteres auf und ab, geradeaus um in einen steilen Bogen wieder aufwärts zu streben.

Meine Perimenopause? Heute, in der Postmenopause, weiss ich Bescheid.

Ich rutschte, wie jede Frau, einfach so langsam in diesen Wandel hinein. Nicht mit irgendwelchen Schmerzen an den Gelenken oder den Hitzewallungen, jenen, die danach kamen, nein, mich suchten Panikattacken heim. Richtig fies und heftig. Und meistens beim Autofahren. Nicht sehr hilfreich. Sass ich selbst am Steuer, war`s ein kleineres Thema. Einerseits fing ich an, nur zu fahren, wenn ich wirklich musste und wenn es dann soweit war, dass ich musste, wünschte ich mir vor jeder Fahrt ein gutes Ankommen am Ziel. Ich visualisierte meine Fahrt. Ich schützte das Auto mit Symbolen. Ich machte ein Brimborium daraus, ohne dass ich es irgendwem erzählte. Nur ich und meine Gedankenwelt. War mein Geheimnis. Ich verstand nicht, was los war, aber diese kleinen Rituale halfen mir, meine Angst zu zähmen. Aber das war neu. 

Die richtigen Panikattacken kamen als Beifahrerin. Wenn ich die Kontrolle über Steuerrad, Brems- und Gaspedal nicht hatte und mich ausgeliefert fühlte. Auch das war neu. Plötzlich. Ganz heftig wurde es, wenn ich den Gegenverkehr nicht kontrollieren konnte in Form von anderen Autos oder Fahrrädern, wie an diesem einen Nachmittag, als mein Mann die Idee hatte, auf einen Berg zu einem Kloster zu fahren. Schöne Idee, eigentlich. Aber in diesem Moment doch nicht wirklich. 

Dieser Berg ist sehr beliebt bei FahrradfahrerInnen und so waren auch an diesem Tag unzählige, sehr sportliche Menschen unterwegs und traten in die Pedale. Jene, die den Berg hochfuhren, waren mir egal, aber jene, die den Berg in einem Höllentempo, auf diesen dünnen Rädern, ungeschützt, mit diesem lächerlichen Helm heruntergebraust kamen, wurden zu meinem Problem … und zwar in Sekundenschnelle. Mein Mann hatte die Fahrt auf den Berg noch gar nicht richtig begonnen, als ich ihm gegenüber kopfschüttelnd die rasante Fahrt dieser Fahrer kritisierte und dabei immer mehr in den Fussraum des Beifahrersitzes rutschte. Ich wurde nervös. Sehr nervös. Ich schrie, dass er anhalten solle. Ich wollte aussteigen, weg von diesen Bildern, dieser Gefahr. Weg von der Angst. Ich war nicht mehr ich selbst. Erkannte mich nicht mehr. Mein Mann reagierte schnell, hielt an der Seite an, wunderte sich, nahm mein Verhalten ernst, drehte um und verliess den Ort meines Schreckens. 

Was war mit mir los? Ich bekam keine Antwort. Was tat ich also? Ich nahm es hin. Verhinderte Fahrten wie diese, suchte für uns Strecken aus, die frei von Angst waren… und erst nach der Menopause, also viele Jahre danach, erfuhr ich, was damals mit mir los gewesen war. Die Hormonschwankungen hatten mich damals fest im Griff gehabt; die Perimenopause ihre Hochzeit.

Ich finde es wichtig, dass über dieses Thema gesprochen wird, dass jede Frau hinschaut und realisiert, da passiert etwas Neues. Und manchmal muss man öfter über etwas schreiben, damit alle, die realisieren, dass eine Veränderung stattfindet, auf die Idee kommen, dass da jetzt evt. die Wechseljahre passieren. Offen sein dafür, um handeln zu können, damit wir lange gesund älter werden. Und auch die Glücklichen, die keine Symptome haben, sollten wissen, dass in ihrem Körper etwas passiert und realisieren, dass auch sie zu ihrem Körper schauen sollten, auch wenn er sich gerade nicht meldet. Vielleicht tut er es einfach später, vielleicht dann heftiger. Vielleicht aber tatsächlich auch nie.

Die Wechseljahre sind umfangreich, mühsam, herrlich und kompliziert. Alles wird gut, aber nicht von allein. Schauen wir also hin, immer und immer wieder. Auch gerne gemeinsam.

Eure Claudia

Fortsetzung folgt … Der Wechsel hat ja erst begonnen

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Sofagedanken 1.2: Von der Peri- über die Meno- zur Postmenopause